23.11.2011

Gegenderte Bundeshymne

"Heimat großer Töchter und Söhne"


"Heiß umfehdet, wild umstritten", diese Anfangszeile der zweiten Strophe der österreichischen Bundeshymne charakterisiert auch sehr gut die Diskussion um eine geschlechtergerechte Änderung des geltenden Textes. Die Bemühungen dazu reichen in die 90er Jahre zurück. Bewegung in die Diskussion kam erst im Sommer dieses Jahres, welche nun in den heutigen Beschluss des Verfassungsausschusses mündete. Der Beschluss legt auch die Basis dafür, die Bundeshymne erstmals gesetzlich zu verankern. Bislang gibt es dazu nur zwei Ministerratsbeschlüsse.

Das neue Bundesgesetz soll mit 1. Jänner 2012 in Kraft treten. Die Bundeshymne ist genauso wie die Fahne der Republik Österreich sowie das Bundeswappen und die österreichischen Hoheitszeichen ein Staatssymbol. Wer sie "verächtlich macht oder sonst herabwürdigt", macht sich nach § 248 StGB der "Herabwürdigung des Staates und seiner Symbole" strafbar. 

Die geänderte Stellung der Frauen in der Gesellschaft machte im Laufe der Zeit auch vor der Bundeshymne nicht Halt. In dem Wissen, dass Sprache wie kein anderes Medium das Bewusstsein prägt, reichen die Bemühungen, auch die Leistungen der "Töchter" Österreichs in der Bundeshymne nicht unter den Tisch fallen zu lassen und entsprechend zu würdigen, bis in den Anfang der 90er Jahre zurück. Federführend waren damals Abgeordnete der Grünen und des Liberalen Forums sowie Frauenministerin Johanna Dohnal. Sie bissen mit ihren Ideen jedoch auf Granit. 

Initiativen für eine gegenderte Bundeshymne

Frauenministerin Maria Rauch-Kallat startete im Jahr 2005 eine neue Initiative zu einer geschlechterneutralen Formulierung mit dem Textvorschlag: "Heimat großer Töchter, Söhne", brachte dies jedoch innerhalb der Regierung nicht durch. Zu heftigen Reaktionen führte eine im Jänner 2010 von Christina Stürmer eingespielte Neuinterpretation "Rock me Paula", die von Bildungsministerin Claudia Schmied für einen Werbespot in Auftrag gegeben worden war.

Am 24. Februar 2010 legten die Grünen dem Nationalrat einen Entschließungsantrag vor, der in der Sitzung des Verfassungsausschusses vom 12. Oktober 2010 vertagt wurde. Nun dürfte mit einem neuerlichen - jetzt auch von Männern unterstützten - Antrag der Abgeordneten Dorothea Schittenhelm (V), Gisela Wurm (S), Judith Schwentner (G), Wolfgang Gerstl (V), Peter Wittmann (S) und Daniela Musiol (G), der Durchbruch gelungen sein, dieser hat heute die Hürde im Verfassungsausschuss genommen. Die Abstimmungen im Plenum des Nationalrats und im Plenum des Bundesrats stehen allerdings noch aus. In der ersten Strophe soll es demnach künftig "Heimat großer Töchter und Söhne" heißen, in der dritten Strophe werden die "Brüderchöre" durch "Jubelchöre" ersetzt. 

Dass der Text zur Musik passt, zeigt nicht zuletzt die Interpretation durch Opernsängerin Ildico Raimondi, die die neue Version bereits im Juli 2011 aufgenommen hat.

Quelle: Parlamentskorrespondez 
Foto: sxc.hu



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