27.04.2011
Kurz als neuer Integrationsstaatssekretär
Mehr als ein junger Wiener?

Nach dem krankheitsbedingten Rücktritt von Vizekanzler Josef Pröll steht nun das neue ÖVP-Team. Der jüngste der Runde, Sebastian Kurz, hat dabei das vielleicht schwierigste Amt übertragen bekommen: er ist der neue Integrationsstaatssekretär.
Das neu geschaffene Amt wurde Kurz am 21. April feierlich in der Hofburg übergeben. Die Meinungen über diese Entscheidung gehen dabei auseinander. Besonders in den Medien wird starke Kritik an dem neuen Integrationsstaatssekretär laut. So etwa bezeichnet Gerald John vom Standard Kurz als "stylish, machtbewusst, selbstsicher, eloquent, glatt - und ungefähr so erfrischend frech wie eine Ansprache des Bundespräsidenten". Das Thema Integration stünde bei der Entscheidung, Kurz in diesem Ressort einzusetzen, im Hintergrund. Sinn der Sache wäre vielmehr, einen Anreiz für Jungwähler zu schaffen. Jedoch ginge dieser Schuss nach hinten los: "Junge Wähler identifizieren sich nicht mit Rolemodels, die es kaum erwarten können, in der Liga der Großen mitzuspielen - sie wollen Politiker, die aus diesem fremden Universum herabsteigen und sich für ihre Lebenswelten interessieren", schreibt John weiter.
Aber nicht nur die Medien üben Kritik an Kurz. Die Tageszeitung ÖSTERREICH führte eine Umfrage durch, derzufolge 32% der Befragten mit dem neuen ÖVP-Team unzufrieden sind. Besonders hart hat es auch hierbei wieder den neuen Integrationsstaatsekretär getroffen: 50% sind der Meinung, Kurz sei für dieses Amt nicht geeignet.
Auch die SPÖ ist mit der Wahl nicht zufrieden. Wilfried Zankl, Vorsitzender der JG, betont: "Die Ernennung von Sebastian Kurz zum Integrationsstaatssekretär zeigt deutlich, dass die ÖVP diesem Thema nicht gewachsen ist und ihm nicht den notwendigen Stellenwert einräumt. Jemanden für dieses wichtige Amt einzusetzen, der in der Materie vollkommen unbedarft ist, ist ein Schlag ins Gesicht aller Menschen, die sich für erfolgreiche Integrationspolitik in Österreich einsetzen".
Trotz aller Kritik steht der neue Parteiobmann Michael Spindelegger hinter Kurz und zu seiner Entscheidung, ihm das heikle und wichtige Amt des Integrationsstaatssekretärs zu überlassen. Auch wenn die Erklärung seiner Entscheidung eher dürftig ausgefallen ist ("Kurz ist jung und lebt in Wien") werden erst die kommenden Monate zeigen, was man von dem neuen Amtsträger erwarten kann.
Quelle: ots
Foto: www.soundportal.at
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