14.12.2011

Studienpräsentation

EU-Projekt "Equality in Housing"


Im Rahmen der Abschlussveranstaltung des EU-Projekts "Equalitiy in Housing" wurden am 13.12.2011 neue Studienergebnisse zum Thema "Gleichbehandlung am Wohnungsmarkt" präsentiert. Namhafte Referenten aus Forschung und Praxis beleuchteten aus rechts- und sozialwissenschaftlicher Sicht Diskriminierungen am Wohnungsmarkt und die Umsetzung von Gleichbehandlungsvorschriften. Kritisiert wurden vor allem mangelnde Transparenz und diskriminierende Bestimmungen, wie beispielsweise den Vorweis von Deutschkenntnissen bei der Wohnungsvergabe.

Erich Fenninger (Geschäftsführer der Volkshilfe Österreich), Peter Neundlinger (Geschäftsführer Wohnservice Wien) und Susanne Piffl-Pavelec (Leiterin Abteilung für europäische Sozialpolitik und Arbeitsrecht, bmask) begrüßten zur gut besuchten Veranstaltung und betonten, dass "Wohnen ein Grundbedürfnis wie Nahrung und Kleidung ist. Eine Wohnung ist Voraussetzung für eine Teilhabe an der Gesellschaft". 

"Soziale Nachhaltigkeit in Wien"

Dr. Wolfgang Förster (Leiter Wohnbauforschung Wien, MA 50) eröffnete die Veranstaltung mit einem Impulsreferat zum Thema "Soziale Nachhaltigkeit in Wien" und ging insbesondere auf die aktuellen Herausforderungen in der Wohnungspolitik ein: "Wir müssen die soziale Segregation verhindern und Integration fördern. Ghettoisierung, wie wir sie in anderen Städten Europas sehen, müssen wir verhindern", sagt Förster, "Integration kann nur dort stattfinden, wo sich Menschen begegnen können." Weiters betont er, dass Wohnen leistbar bleiben muss. "Die Wartelisten für Gemeindebauwohnungen haben sich verdreifacht. Viele haben nicht die notwendigen Eigenmittel für geförderte Wohnungen." 

Grundvoraussetzung für Integration und sozialen Frieden

"Eine Wohnung ist nicht alles, aber ohne Wohnung ist alles nichts", sagte Christian Perl als Koordinator von "Equalitiy in Housing" zum Hintergrund des EU-Projekts, "Wohnen ist nicht nur ein Grundbedürfnis des Menschen, eine Wohnung ist auch Grundvoraussetzung für Integration und sozialen Frieden in einer Gesellschaft." 

Das EU-Projekt "Equality in Housing", das die Volkshilfe gemeinsam mit dem Klagsverband und der BAWO umsetzt, umfasst drei Schwerpunkte: eine rechtswissenschaftliche und eine sozialwissenschaftliche Studie sowie Good-Practice-Workshops, die das Ziel hatten, MitarbeiterInnen von Wohnungsunternehmen und anderen Vergabestellen in die Lage zu versetzen, ihre Vergabepraxis diskriminierungsfrei zu gestalten.

Fehlende Transparenz bei Wohnungsvergabe

Mag. Volker Frey vom "Klagsverband zur Durchsetzung der Rechte von Diskriminierungsopfer" gibt in der rechtswissenschaftlichen Studie "Recht auf Wohnen? Der Zugang von MigrantInnen und ethnischen Minderheiten zu öffentlichem Wohnraum in Österreich" einen Überblick über die geltenden europäischen und österreichischen Rechtsvorschriften. Außerdem wurde der Zugang zu Gemeindewohnungen in Hinsicht auf die Anwendung von Antidiskrimierungs-Richtlinien in 40 Gemeinden untersucht. Volker Frey kritisiert, dass Wohnungsvergaberichtlinien nicht klar kommuniziert werden und betont weiter: "Soziale Segmentierung verhindert man nicht durch die Schaffung von Quoten, sondern durch gezielte Förderungen. Höchstquoten, die vorgeben, wie hoch beispielsweise der Anteil von MigrantInnen an einer gewissen BewohnerInnenanzahl zu sein hat, sind klar diskriminierend." 

Mag. Florian Panthène von der Gleichbehandlungsanwaltschaft präsentiert Fälle aus der Praxis der Wohnungsvergabe und berichtet aus Erfahrung: "Transparenz schafft Klarheit und Nachvollziehbarkeit. Sprach- und Staatsbürgerschaftsregelungen indizieren eine Diskriminierungsvermutung."

Integration. Management der Vielfalt

In der sozialwissenschaftlichen Studie kamen quantitative und qualitative Erhebungen durch Fragebögen, Telefoninterviews sowie Fallstudien zur Vergabepraxis in ausgewählten Regionen und Städten zur Anwendung. Heinz Schoibl (HELIX Forschung, BAWO) recherchierte und dokumentierte Good-Practice Beispiele der Vergabe in Österreich: "Integration ist eine Querschnittsagenda und beginnt mit Vorsorgen zum Zeitpunkt der Planung von Neubauvorhaben, findet Berücksichtigung in der Beteiligung der WohnungswerberInnen an der Wohnungsvergabe und geht über in Besiedlungsbegleitung bzw. Gemeinwesenarbeit." 

Den Abschluss der Veranstaltung übernahm Josef Cser, Leiter der Servicestelle "wohnpartner", der den ZuhörerInnen die Aufgabe von Konflikt- und Gemeinwesenarbeit näher brachte: "Die meisten Konflikte entstehen auf Grund von Lärmbelästigung (44%). Bei solchen Sachkonflikten greifen wir beratend ein, beispielsweise mittels Mediation und Coaching. Mieterbeiräte und ähnliche Projekte wirken präventiv um Konflikte zu verhindern." Und Cser weiter: "Wohnen ist ein Grundbedürfnis. Deshalb sind mit diesem Thema auch so viele Emotionen verbunden."

Die Volkshilfe dankt als Projektträgerin allen UnterstützerInnen, SponsorInnen und Beteiligten für ihren Einsatz und ihre Unterstützung. 

Equality in Housing ist ein Projekt für Vielfalt und gegen Diskriminierung in Österreich. Es wird durch das Programm der EU für Beschäftigung und Soziale Sicherheit - PROGRESS (2007-2013) unterstützt und vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Konsumentenschutz, dem Land Tirol und dem Land Wien aus Mitteln der Wohnbauforschung ko-finanziert. 

Quelle: ots
Foto: Volkshilfe Österreich 



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