Laut Studien hat ein Drittel Wiener Unternehmen ein Migrationshintergrund. Im Jahr 2010 haben 2.900 Menschen mit ausländischer Staatsbürgerschaft in Wien ein Unternehmen gegründet. Im Vergleich zu 2009 ist das ein Plus von knapp 3%. Rund 36 % der NeugründerInnen haben einen Migratinshintergrund bzw. nicht –österreichischen Pass. Die Unternehmer kommen aus insgesamt 92 Ländern. Um diese Unternehmen zu unterstützen hat die Wirtschaftsagentur Wien im Mai 2008 das Projekt „Mingo Migrant Enterprises“ ins Leben gerufen.
Als erste Anlaufstelle für Unternehmensgründer, bzw. kleinere- und mittlere Unternehmen mit migrantischem Hintergrund informiert und berät Mingo Migrant Enterprises individuell und in der jeweiligen Muttersprache zu allen relevanten Themen rund um Firmengründung und Fördermöglichkeiten. Im Zuge von Veranstaltungen bietet Mingo Migrant Enterprises Informationen über aktuelle Förderprogramme, sowie die Möglichkeit für persönliche Gespräche mit Experten. Über kostenlose Fachworkshops mit zweisprachigen TrainerInnen (Deutsch-Türkisch, Deutsch-Polnisch, Deutsch-Bosnisch/Serbisch/Kroatisch und Deutsch-Englisch) in den Bereichen Finanzierung, Steuer und Marketing, Interkulturelle Kommunikation und Konfliktmanagement, sowie Ethnomarketing und Social Media wird der Zugang zu unternehmerischen Know-How ermöglicht. Mingo Migrant Enterprises beteiligt sich außerdem an verschiedensten Kooperationsprojekten und trägt damit maßgeblich zur Unterstützung der migrantischen Unternehmen in Wien bei. Zu diesen Projekten gehören geförderte Fachworkshops in englischer Sprachen für zusätzliches unternehmerisches Know-How in Kooperation mit der VHS Landstraße, wodurch die Qualifizierung von migrantischen UnternehmerInnen erweitert wird.
Das gesamte Angebot von Mingo Migrant Enterprises ist kostenlos.
Mingo Migrant Enterprises
Tel: + 43 1 4000 86 196, migrant.enterprises@mingo.at
Leiterin der Mingo Services ist DI Gabriele Tatzberger. BUM schaute auf einen Kaffee vorbei und nutzte die Gelegenheit die eine oder andere Frage zu stellen:
BUM: Im Mai dieses Jahres konnte Mingo Migrant Enterprises sein dreijähriges Bestehen feiern. Wie kam es zu Mingo Migrant Enterprises?
Die (europaweit) verfügbaren Studien zum Thema Unternehmertum von Personen mit Migrationshintergrund zeigen relativ einstimmig auf, dass ethnische Ökonomien eine zielgruppenspezifische Information und Beratung erfordern. Bereits im Herbst 2007 hat die Wirtschaftsagentur Wien gemeinsam mit der Stadt Wien eine Initiative für die ethnische Ökonomien gestartet, um die Unternehmen mit Migrationshintergrund verstärkt zu erreichen. Ziel ist, das sie sich in alle Wirtschaftsprozesse einzubringen und Ihr Wachstumspotenzial nutzen können. Eine eigene Beratungsstelle für Unternehmerinnen und Unternehmehmer mit Migrationshintergrund wurde Anfang Mai 2008 eingerichtet, um diese Unternehmen mit maßgeschneiderten muttersprachlichen Informationen über das bestehende Unterstützungsangebot zu versorgen und sie mit den passenden Kontakten zu den Wirtschaftsinstitutionen der Stadt Wien zu vernetzen.
BUM: Wie wird dieses Service bisher angenommen?
Mit einem proaktiven Ansatz hat das Projekt Mingo Migrant Enterprises Zugang zu unterschiedlichen Communities in Wien geschafft und wurde sehr positiv angenommen. Seit Mai 2008 wurden 550 UnternehmerInnen mit Migrationshintergrund beraten und betreut. Insgesamt wurden 150 migrantische UnternehmerInnen an das kostenlose individuelle Gründungscoaching (Vor-, Gründungs- und Nachgründungsphase) und 35 Unternehmen mit Migrationshintergrund zum Finanzierungscoaching vermittelt. Allgemein ist es unser Ziel UnternehmerInnen mit Migrationshintergrund verstärkt in die einzelnen Maßnahmen der Mingo Services einzubinden, beispielsweise in den Mingo Award, in Workshops und Beratungen zu innovativen Impulsen in Kleinstunternehmen, in die Workshop-Reihe Mingo Academy mit ihrem breit gefächerten Themenangebot, und natürlich das individuelle Gründungs- und Finanzierungscoaching. Das Projekt Mingo Migrant Enterprises wird seit Mai 2010 auf der Website der Europäischen Kommission für Integration als „good practice„ aus Österreich präsentiert.
Foto: citiesofmigration.ca