19.09.2011
Medien.Messe.Migration 2011
Medienkritiker Simon INOU im Gespräch

Bereits zum vierten Mal findet heuer die Medien.Messe.Migration statt. Als erste deutschsprachige Fachtagung für interkulturelle Kommunikation versammelt sie innovative und zukunftsfähige Impulse aus den Bereichen Ethnomedien und Ethno-Marketing. Veranstalter ist der Verein M-MEDIA, der es sich zum Ziel gesetzt hat die Bilder von MigrantInnen in Mainstream-Medien kritisch zu beleuchten und aktiv mitzugestalten.
Zu den zahlreichen Projekten des Vereins gehört auch eine Kooperation mit der Tageszeitung „Die Presse“, in der MigrantInnen über sich und gesellschaftliche Themen schreiben. Geschäftsführer von M-MEDIA ist Simon Inou. Er stammt aus Kamerun und lebt seit 1995 in Österreich. BUM bat den engagierten Medienkritiker zum Interview.
BUM: Herr Inou, die Medien.Messe.Migration findet heuer bereits zum vierten Mal statt. Was möchten Sie mit dieser Veranstaltung erreichen? Können Sie Entwicklungen und Trends seit der ersten Messe erkennen? Was ist das langfristige Ziel der Medienmesse?
Simon INOU: Mit dieser Veranstaltung möchten wir erreichen, dass Medien von MigrantInnen in Österreich nicht nur als Ghettomedien betrachtet und wahrgenommen werden. MigrantInnen, die in Österreich Medien gründen, sind Teil der Realität dieses Landes. Ziel unserer Aktivitäten ist es, dass sie auch genauso wahrgenommen werden. MigrantInnen-Medien sollen daher von finanziellen Förderungen, wie alle anderen österreichischen Medien auch, profitieren, damit Ihre Arbeitsplätze langfristig und nachhaltig gesichert werden können.
BUM: Was bedeutet Integration für Sie persönlich?
INOU: Mit dem Wort Integration kann ich persönlich nichts anfangen. Aber wir können gerne über Zusammenleben reden und diskutieren.
BUM: Was macht Ihrer Ansicht nach gelingendes interkulturelles Zusammenleben aus?
INOU: Meiner Ansicht nach ist interkulturelles Zusammenleben erfolgreich, wenn Meinungsführer in einer Gesellschaft nicht hetzen. Wenn die Mitglieder einer Gesellschaft mit Respekt, konstruktiver Kritik und mit einem gemeinsamen Ziel arbeiten können, damit jeder von uns sich wohl fühlt. Dieses Motto gilt auch für alle Migranten Communities, die in Österreich leben.
BUM: Was ist Ihre persönliche Motivation? Was sind Ihre persönlichen Ziele hinter Ihrer Arbeit?
INOU: Ich engagiere mich für mehr Chancengerechtigkeit in Österreich. Und dafür, dass Menschen nicht aufgrund Ihrer Hautfarbe, Herkunft etc. beurteilt werden. Meine Aufgabe besteht darin, jene die nicht wahrgenommen werden in einer Gesellschaft von der Peripherie ins Zentrum zu holen. Noch vor fünf Jahren waren MigrantInnen-Medien "offiziell" nicht Teil der österreichischen Medienlandschaft. Bis zum heutigen Tag hat sich die Diskussion allerdings sehr zum Positiven verändert. Ein Ziel unserer Arbeit wäre es, dass 17% aller RedakteurInnen österreichischer Mainstream-Medien im Jahre 2020 MigrantInnen sind. Das wäre ein den Tatsachen entsprechendes und faires Abbild unserer Gesellschaft im Medienbereich. Dies wäre auch für andere Berufsparten wünschenswert.
BUM: Welche Potenziale sehen Sie in MigrantInnen und wie versuchen Sie diese zu fördern?
INOU: In MigrantInnen sehe ich immer potenzielle Entscheidungsträger dieses Landes. Der Bereich der Medien, in dem auch ich engagiert bin, ist dabei ein entscheidender Bereich. Vorurteile und Klischees können über Medien sehr einfach und wirkungsvoll verbreitet werden. Das beeinflusst dann die ganze Bevölkerung. Unsere Aufgabe bei M-MEDIA ist es dagegen etwas zu unternehmen. Wir erinnern ständig daran, dass die Medien vor allem eine Pflicht haben: Alle BürgerInnen korrekt und diskriminierungsfrei zu informieren im Sinne der Objektivität der Berichterstattung. Wir setzen uns ein, damit die Zukunft im Medienbereich für alle besser wird.
BUM: Wie haben MigrantInnen-Medien Ihrer Ansicht nach die österreichische Medienlandschaft innerhalb der letzten Jahre verändert?
INOU: Die Hetze der Mainstream-Medien in den 90er-Jahren gegenüber MigrantInnen ist inzwischen sehr zurückgegangen. Das ist vor allem jenen MigrantInnen zu verdanken, die durch Ihre eigenen Medien eine sehr kritische Medienbeobachtung von österreichischen Mainstream-Medien leisten. Dadurch passen diese auf und wissen, dass, wenn Sie über MigrantInnen berichten, diese auch selbst zu Wort kommen sollten. Wir werden nicht mehr ausschließlich als Objekte der Berichterstattung, sondern als Subjekte der Berichterstattung wahrgenommen. Das ist ein großer Fortschriftt für österreichische Mainstream-Medien. Trotzdem gibt es noch viel zu tun ...
BUM: Sie setzen sich aktiv gegen Diskriminierung und Rassismus ein. Wie schätzen Sie diesbezüglich die gegenwärtige Situation in Österreich ein?
INOU: Das offizielle Österreich hat Angst über den Rassismus offen zu reden. In vielen Bereichen, sogar im Bereich Integration, ist dieses Thema tabuisiert worden. Ein Zeichen dafür ist der Boykott Österreichs der Anti-Rassismus-Konferenz in New York am 22. September 2011. Das ist eine Schande für ein Land mit einer Vergangenheit, die wir alle kennen. Glücklicherweise haben wir eine sehr aktive Zivilgesellschaft in Österreich, die in Sachen Rassismusbekämpfung nicht schläft. Das ist meiner Ansicht nach entscheidend, wenn wir uns eine Zukunft wünschen in der wir auch zusammenleben wollen. Allerdings ist nicht zu vergessen: ÖsterreicherInnen halten nicht das Monopol auf Rassismus. MigrantInnen sind im Bereich des Rassismus keine Engel. Und auch hier gibt es noch sehr viel zu tun.
Die Medien.Messe.Migration. 2011 findet vom 27. September bis zum 28. September in der Wiener Stadthalle, Halle F, statt. Weitere Informationen finden Sie unter http://www.m-media.or.at/medienmesse/
Foto: M-MEDIA
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