14.11.2011

Oxonitsch im Gespräch

Klares Bekenntnis zu Mehrsprachigkeit


BUM klopfte an die Tür des amtsführenden Stadtrates für Bildung, Jugend, Information und Sport der Stadt Wien, Christian Oxonitsch, und bat um ein Gespräch zum Thema Bildungspolitik. Insbesondere der Bildungsbereich gehört zu den wichtigsten politischen Aufgaben des Wiener Stadtrates. Integration und soziale Partizipation funktionieren in erster Linie über den Weg der Bildung. Welche konkreten Vorschläge Stadtrat Oxonitsch auf städtischer Ebene parat hält, hat er uns in einem Interview erklärt.

BUM: Die rot-grüne-Koalition wurden von sehr vielen Menschen überaus positiv aufgenommen. Was hat sich seither innerhalb Ihres Arbeitsbereichs bewegt?

Es gibt einen breiten Konsens darüber, dass die Bereiche Bildung, Jugendwohlfahrt und die Kinderbetreuung einen wichtigen Schwerpunkt in unserer Arbeit darstellen. Dies hat sich auch in konkreten Projekten gezeigt: Ich erinnere etwa an den Ausbau der Nachmittags- und Ferienbetreuung für Schulkinder und die Ausweitung des gesamten Programms im Bereich der Kindergärten. Die rot-grüne Stadtregierung möchte diese wichtige Maßnahme fortsetzen und hat sie daher im heurigen Jahr aus eigenem Budget finanziert. Gerade dieser bedeutende Bereich war ausschlaggebend dafür, dass sich viele Menschen für Rot-Grün entschieden haben.

BUM: Ihr Ziel ist es, den Menschen in Wien optimale Chancen für Ihre persönliche Weiterentwicklung zu bieten. Etwa ein Drittel der Wiener Bevölkerung hat Migrationshintergrund. Welche besonderen Herausforderungen stellt das an Ihre Arbeit?

Das ist eine besondere Herausforderung in unserem Bildungssystem. Wir kennen Sie mittlerweile seit vielen Jahrzehnten kennen und wir haben immer versucht im Rahmen unserer Möglichkeiten als Bundesland zu reagieren. Ich erinnere an den Einsatz von muttersprachlichen LehrerInnen im Pflichtschulbereich, der in Wien, im Vergleich zu anderen Bundesländern, sehr intensiv vorangetrieben wurde. Zudem sind der kostenlose Besuch des Kindergartens, die sprachliche Förderung und das verpflichtende Kinder-gartenjahr Maßnahmen, die nicht nur für Kinder mit Migrationshintergrund, sondern für alle WienerInnen von Bedeutung sind. Es ist wichtig, frühzeitig den Förderbedarf zu erkennen, um im Bildungssystem darauf zu reagieren. Diesbezüglich würden wir uns auch die gemeinsame Schule für alle Zehn- bis Vierzehnjährigen wünschen.

BUM: Einer Ihrer Arbeitsbereiche widmet sich auch dem Thema Jugend. Wie suchen Sie den Kontakt zu migrantischen Communities, die als eher schwer zugänglich gelten?

Wir versuchen, Kooperationen mit migrantischen Vereinen und Institutionen auf die Beine zu stellen. Seit vielen Jahren sind wir in diesem Bereich tätig, indem wir mit diversen Kultur- und Sportvereinen zusammenarbeiten und ihnen eine Möglichkeit des Austausches bieten.

BUM: Wie beurteilen Sie die Zusammenarbeit mit diesen Institutionen?

Wir erleben diese Zusammenarbeit als sehr positiv. Für uns ist es eine Chance, sich mit unserem Angebot Zugang zu den Communities zu verschaffen. Diverse Integrationsprojekte, wie etwa „Mama lernt Deutsch“, sind für diese Institutionen sehr wichtig, weil wir damit auch Menschen unabhängig von den Vereinen erreichen können.

BUM: Mit welchen Initiativen fördern Sie die Mehrsprachigkeit an den Schulen und Kindergärten?

Für mich ist es besonders wichtig, Überzeugungsarbeit zu leisten, um mehr Chancen für Mehrsprachigkeit zu gewinnen. Gerade in Wien und im osteuropäischen Raum tun sich neue Potentiale auf, die wir nutzen sollten. Es ist uns wichtig, muttersprachliche LehrerInnen einzusetzen und damit ein klares Bekenntnis zu Mehrsprachigkeit abzulegen. Dabei sind wir uns dessen bewusst, dass nur diejenigen gut Deutsch lernen können, die auch die jeweilige Muttersprache beherrschen.

BUM: Welche Maßnahmen wurden angesichts der Ergebnisse des letzten Pisa-Lesetests gesetzt?

Bereits vor dem Pisa-Test wurde mit dem Modell der „LesepatInnen“ begonnen. Dabei geht es um Menschen, die ehrenamtlich SchülerInnen beim Lesen unterstützen. Abgesehen davon, mussten wir auch im Schulsystem darauf reagieren. Wir haben unmittelbar nach dem Pisa-Ergebnis zu einer Konferenz eingeladen, um über das Mehrstufenprogramm zu informieren. Es wurden einerseits die Wiener Lesetests eingeführt, die individuell für die SchülerInnen eine Orientierung im Bereich Lesen geben. Anderseits werden Schwerpunktwochen zum Thema Lesen veranstaltet.

BUM: Weiterbildung frei von finanziellen Zwängen ist ein weiterer Punkt auf Ihrer Agenda. Inwiefern setzen Sie hier Maßnahmen für Menschen mit Migrationshintergrund?

Mit den Wiener Volkshochschulen verfügen wir über ein wesentliches Instrumentarium. Wir bieten unter dem Begriff „Lebenslanges Lernen” eine große Anzahl an Fortbildungsmöglichkeiten an. Auch über den Wiener ArbeitnehmerInnen-Förderungsfonds (waff) versuchen wir spezielle Ausbildungsangebote einzurichten. Das erfolgt über einen Bildungsgutschein, aber auch durch Bildungsangebote. Wir versuchen, dieses Vorhaben mithilfe entsprechender Kooperationen, der Medien in den Communities sowie über die Vereine publik zu machen.

BUM: Welche Maßnahmen müssen Ihrer Ansicht nach für ein gutes Zusammenleben zwischen den verschiedenen MigrantInnengruppen in Wien gesetzt werden?

In erster Linie sollte man sich dessen bewusst sein, dass sich jede Gruppe Respekt verdient. Man muss auf andere Menschen Rücksicht nehmen, egal ob ich In- oder Ausländer, alt oder jung, Mann oder Frau bin. Dieser zentrale Punkt steht stets im Mittelpunkt unserer Arbeit.



Mit Freunden teilen:

Facebook Twitter Google Buzz



Bum Umfrage


Integration ist...

Unwort des Jahres!
besser als ihr Ruf!
keine Einbahnstraße!
unser aller Bier!


OKTO

Georg

Rado Sport

Brunnenpassage