05.10.2011

"StartWien"

Integrationsbegleitungsprogramm für ZuwanderInnen


Im Rahmen von "StartWien" gibt es ein ganz spezielles Integrationsbegleitungsprogramm für neuzugewanderte Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren. Durchgeführt wird dieses Angebot im Auftrag der Stadt Wien von der Jugendbildungswerkstatt der gemeinnützigen Interface Wien GmbH im 4. Bezirk.

Das Programm beinhaltet Deutschkurse sowie integrierte Sozial-,
Bildungs- und Berufsberatung. Auf Einladung von Integrationsstadträtin
Sandra Frauenberger hatten heute Mittwoch MedienvertreterInnen die
Gelegenheit, sich vor Ort über dieses Projektes zu informieren.

Frauenberger einleitend: "Wir begleiten diese jungen Menschen, die
oftmals schon einen schweren Weg hinter sich haben, ganz gezielt, weil sie
Teil der Zukunft dieser Stadt sind und Zukunft eine Chance haben muss. Mit
dem "Sprache plus"-Angebot werden die jugendlichen NeuzuwanderInnen Schritt für Schritt startklar für den Berufseinstieg gemacht. Denn das ist die Grundvoraussetzung für ein eigenständig existenzgesichertes Leben."

Frauenberger wies in diesem Zusammenhang aber auch auf das Potenzial
dieser jungen Menschen hin, auf ihre mitgebrachten sprachlichen und
interkulturellen Kompetenzen, die es zum Vorteil aller zu fördern gelte.

Sehr positiv beurteilt auch der Bezirksvorsteher des 4. Bezirks, Leopold Plasch, das Integrationsprogramm: "Gerade als langjähriger Direktor einer kooperativen Wiener Mittelschule weiß ich um die Wichtigkeit positiver Bildungserfahrungen und von Schulabschlüssen im Leben junger Menschen. Ich freue mich daher sehr über Initiativen wie die Jugendbildungswerkstatt Interface und danke auch der Stadt Wien für die Unterstützung und die Chancen, die sie hier den Jugendlichen ermöglicht."

Gegen Perspektivenlosigkeit
Rund 2000 Jugendliche im Alter zwischen 15 und 25 Jahren kommen jährlich
nach Wien. Viele der neu zugewanderten Jugendlichen haben aufgrund geringer Deutschkenntnisse und ungenügender Orientierungs-und sozialer Kontaktmöglichkeiten, nicht die notwendige Vorbereitung, um eine Schule zu besuchen, eine Lehrstelle oder einen Arbeitsplatz zu finden. "Oftmals sind sie aufgrund familiärer und/oder ökonomischer Situationen gezwungen, schnell in die Berufswelt einzusteigen, niedrig qualifizierte Jobs anzunehmen und sich meistens "unter ihrem Wert zu verkaufen", analysierte Mag.a Margit Wolf, Geschäftsführerin von Interface Wien die Problematik der Jugendlichen. Sie werden in unsicheren und schlechtbezahlten Jobs eingesetzt, oft in ethnisch segmentierte Betriebe ohne die Möglichkeit auf einen weiterführenden Bildungsweg, so Wolf.

"Entsprechend hoch ist auch das Risiko der Arbeits- und damit
Perspektivenlosigkeit bis hin zur sozialen Isolation mit allen negativen
Folgeerscheinungen. Um eine solche Negativspirale erst gar nicht entstehen
zu lassen, setzen wir mit dem passgenauen Jugendprogramm von Interface Wien, nämlich mit Sprache, Bildung und gezielter Vorbereitung auf den Berufseinstieg an", erläuterte die Wiener Integrationsstadträtin.

Das Angebot gliedert sich in zwei Bereiche:

o Grundkurse (bis Stufe A2 - Grundkenntnisse, die einfache
Alltagskommunikation ermöglichen) mit begleitenden "Sprache Plus"-Angeboten. In diesen Grundkursen werden jene Jugendliche unterrichtet, die noch nicht das Sprachniveau erreicht haben, das für die Erfüllung der Österreichischen Integrationsvereinbarung erforderlich ist.

o Deutschkurse der Stufe B1 (Kenntnisse der deutschen Sprache, die eine
anspruchsvolle Kommunikation in verschiedenen Lebensbereichen wie Arbeit,
Bildung usw. ermöglichen) im Rahmen des ESF (europäischer
Sozialfonds)-Projekts Jugend College. Damit soll die Lücke zwischen
Grunddeutschkursen und gezielten Arbeitsmarktserviceangeboten bzw. dem
Besuch einer weiterführenden Bildungseinrichtung überbrückt werden. Dort
bekommen die Jugendlichen außerdem weitreichende Informationen über Berufs- und Ausbildungsmöglichkeiten in Österreich vermittelt.

Die Kurse starten laufend nach Bedarf. Sie finden vormittags, nachmittags
und abends statt. Damit ist die Wartezeiten auf einen Deutschkurs sehr
gering. Für neu zugewanderte Jugendliche mit Wiener Sprachgutscheinen und
für anerkannte Flüchtlinge sind die Kurse kostenlos. Im ersten Halbjahr 2011 organisierte die Jugendbildungswerkstatt für 632 Jugendliche 80 Deutschkurse. Im Gesamtjahr 2010 haben über 1000 Jugendliche das Angebot in Anspruch genommen.

Jugendliche empowern
Das Markenzeichen der Jugendbildungswerkstatt sind die in den
Deutschunterricht eingebundenen "Sprache Plus"- Angebote. Der Focus liegt
hier auf generationsspezifischen Themen und auf Persönlichkeitsentwicklung.
Im Zentrum stehen unter anderem die Vorbereitung auf Bewerbungen bzw.
Bewerbungsgespräche, Interviewpräsentationen, Formulierung des eigenen
Lebenslaufes sowie z.B. Internetrecherchen. "Vor allem geht es aber auch
darum, dass die Jugendlichen das Selbstvertrauen gewinnen, um den eigenen
Zielen konsequent nachgehen zu können," betonte Geschäftsführerin Wolf.

Auszeichnungen für innovatives Modell
"Diese innovative Strategie beweist auch einmal mehr die
Vorreiterinnenrolle Wiens im Integrationsbereich", unterstrich
Integrationsstadträtin Frauenberger abschließend. So wurde das "Sprache
Plus"-Modell 2008 mit dem Europasiegel für Innovative Sprachenprojekte vom
Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Kultur und vom Bundesministerium
für Wissenschaft und Forschung ausgezeichnet. 2009 wurde es für den
Österreichischen Staatspreis für Erwachsenenbildung 2009 (Kategorie
"Kreativität") nominiert, heuer für den Österreichischen Integrationspreis
in die Kategorie "Bilden und Befähigen".

Quelle: OTS



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